Verband unabhängiger Musikunternehmen e.V.
XML Feed abonnieren








Feb
10

November 2009


VUT Positionen zum Digitalen Musikmarkt

Hintergrund

Der VUT und seine Mitglieder begrüßen und nutzen die zahllosen neuen digitalen Möglichkeiten zur Produktion, Verbreitung und Nutzung von Musik.

Nach gut 10 Jahren substantieller Musiknutzung im Internet ist festzustellen:

(i) Die Nutzung von Musik hat stark zugenommen[1].

(ii) Die Nachfrage nach Musik und anderen Inhalten ist auch der wichtigste Treiber des Marktes für schnelle Internetzugänge und multimediale IT Produkte[2], in dem die Konzerne des IT- und Telekommunikationssektors hohe Umsätze erzielen[3].

(iii) Im Gegensatz zu den Technologie- und Telekommunikationskonzernen erhalten Künstler und Produzenten von Musik bisher keine Vergütungen für die überwiegend unlizenzierten Nutzungen ihrer Produktionen.

Auf diesem Hintergrund fordern wir:

1. Angemessene Vergütung digitaler Musiknutzung

Nachhaltige Produktion von Musik und Investitionen in neue Künstler sind auf Dauer nur möglich, wenn auch Künstler und Musikproduzenten faire Vergütungen für die Nutzung der von Ihnen geschaffenen Musik erhalten.

2. Faire Rahmenbedingungen im Internet

Faire Rahmenbedingungen, in denen die Interessen von Nutzern, Technologieunternehmen, Kreativen und ihren Partnern ausgeglichen werden, sind auch im Internet unerlässlich.

Der VUT unterstützt und beteiligt sich aktiv an Bemühungen zur Selbstregulierung. Ein gerechter Interessenausgleich bedarf aber auch in Deutschland der Mitwirkung des Gesetzgebers[4].

3. Entwicklung weiterer innovativer Geschäftsmodelle

Der VUT begrüßt die neuen Angebote der letzten Jahre und unterstützt aktiv die Entwicklung aller innovativen und kundenfreundlichen Geschäftsmodelle, die eine gerechte Verteilung der Erträge beinhalten.

4. Differenzierte Betrachtung pauschaler Vergütungsmodelle

Der VUT ist offen für die Diskussion aller konstruktiven Lösungsvorschläge, einschließlich pauschaler Vergütungsmodelle.

Eine gesetzliche Pauschalabgabe für Internetzugänge („Accessrate“) zur Kompensation nicht-kommerzieller Nutzungen kann durchaus zu fairen Rahmenbedingungen im Internet beitragen. Die uns derzeit bekannten Konzeptionen sog. „Kulturflatrates“ sind jedoch noch nicht ausreichend durchdacht und lassen wichtige Fragen unbeantwortet.

5. Wirtschaftsförderung

Der VUT begrüßt das zunehmende Verständnis der volkswirtschaftlichen Relevanz der Kreativwirtschaft für Europas Zukunft.

Kleine, Kleinst- und mittelständische Unternehmen (KMUs oder Independents) sind die Treiber von Wachstum und Innovation der europäischen Kreativwirtschaft.[5] In der deutschen Musikwirtschaft generieren KMUs 60% der Unternehmensumsätze[6] und spielen insbesondere bei der Entwicklung neuer Künstler und der Schaffung kultureller Vielfalt eine Schlüsselrolle[7].

Gerade in einer Phase tiefgreifenden strukturellen Wandels durch Digitalisierungseffekte ist Wirtschaftsförderung notwendig und sinnvoll. Unterstützung von Investitionen in die Entwicklung neuer Künstler und Anpassung von Fördermodellen an die Bedürfnisse von KMUs sind naheliegende Schwerpunkte für eine wirkungsvolle Wirtschafts- und Kulturpolitik.

6. Sicherstellung des Marktzugangs für Independents

Der gleichberechtigte Zugang von Independents auch und gerade zum online Markt muss gewährleistet sein. Nötigenfalls ist er mit wettbewerbsrechtlichen Mitteln durchzusetzen.

7. Zukunftsfähige Verwertungsgesellschaften

Der VUT unterstreicht die Unverzichtbarkeit der Verwertungsgesellschaften gerade für Independents, tritt aber entschieden für deren fortlaufende Modernisierung, Demokratisierung und Verbesserung ein.

Der VUT:

Der VUT vertritt die Interessen von mehr als 1,200 kleinen und mittelständischen konzernunabhängigen Unternehmen, die für künstlerische Vielfalt und langfristiges, ambitioniertes Engagement in der Unterstützung und Entwicklung von Künstlern stehen. VUT-Firmen sind Treiber künstlerischer und technischer Innovation in der Musikwirtschaft, verantwortlich für die Entdeckung neuer Künstler, den Aufbau langfristiger Karrieren, Repertoirepflege, Entwicklung neuer Geschäftsmodelle und Erschließung neuer Märkte. Die fruchtbare Zusammenarbeit zwischen Kreativen und VUT-Unternehmen trägt entscheidend zur kulturellen Vielfalt im In- und Ausland bei.


[1] Siehe u.a.: Anstieg Nutzung Tonträger (ohne Radio und Internet) zwischen 1996 und 2008: 243% von 14 auf 34 Minuten täglich (Quelle: „Zeitbudget für audiovisuelle Medien“ ARD, Media Analyse SWR 2009 [http://www.ard.de/intern/basisdaten/mediennutzung/zeitbudget_20f_26_23252_3Br_20audiovisuelle_20medien/-/id=54984/sfyd65/index.html])

[2]Siehe u.a.: „Analysis Of The European Online Music Market Development And Assessment Of Future Opportunities“, S. 5, S. 50, Jupiterresearch 2009

[3]Umsätze Informationstechnik 2009: 65,4 Mrd. €, Umsätze Telekommunikation 2009: 64,3 Mrd. €  (Quelle: ITK Marktzahlen Oktober 2009, BITKOM). Umsätze der Musikwirtschaft 2007: 4 Mrd. € (Quelle: „Gesamtwirtschafliche Perspektiven der Kultur- und Kreativwirtschaft in Deutschland“, BMWi 2009)

[4] Erforderlich sind weniger Verschärfungen der Urheberrechts als nationale und internationale Gesetzesänderungen mit dem Ziel, geltendes Recht auch durchzusetzen. Rechtsquellen wie das Urheberrecht, das Telekommunikationsrecht und das Datenschutzrecht müssen hierfür zwingend harmonisiert werden.

[5] European Council conclusions of March 2007, Council conclusions of the 27 Ministers for Culture May 2007

[6] (Quelle: „Gesamtwirtschafliche Perspektiven der Kultur- und Kreativwirtschaft in Deutschland“, S. 24, BMWi 2009)

[7] 34% der Künstler in den Top 100 Jahrescharts der Jahre 2006 und 2007 begannen ihre Karriere bei Independents (vgl. Musikwoche Jahrescharts 2006 bis 2007)

© VUT 2007 | Impressum